„Was wäre wenn?“ von Antje Schrupp (4.Teil)

Sprache und Autorität

Das Kapitel über Sprache ist für mich eines der interessantesten in Schrupps Buch.

„Ob Gespräche gelingen, hängt nicht von der sprachlichen Eloquenz der Beteiligten ab, sondern von der Art der Beziehung zwischen ihnen, von ihrem gegenseitigen Interesse aneinander und von der Autorität, die sie jeweils füreinander haben“.

Sprechen ist nicht einfach eine Form der Kommunikation, sagt Schrupp. Denn kommunizieren können auch Ameisen. So ist das Erlernen der Muttersprache auch nicht, wie es heute oft geschieht, mit „Spracherwerb“ zu übersetzen, sondern setzt voraus, dass wir der Mutter glauben, die z.B. einen Gegenstand als „Stuhl“ bezeichnet.

„Ohne Vertrauen zur Sprechenden wären Worte nur beliebige Laute, ohne jede Bedeutung.“

Inzwischen driftet Sprache und Autorität immer weiter auseinander, sagt Schrupp. So hat die Tatsache, dass heute jede öffentliche Rede als Videoclip ins Internet gestellt werden kann, dazu geführt, dass sich die Redner immer langweiliger, vorsichtiger und inhaltsleerer ausdrücken. Aus Sicht des Redners ist das nachvollziehbar, steht doch zu befürchten, dass Sätze aus dem Kontext gerissen und fehl interpretiert werden.

Arbeit und Freude

Letzte Woche hat die FAZ ein Interview mit der Psychologin Susan Pinker gebracht, in dem sie ihre Gesprächspartnerin Bettina Weiguny fast zur Weißglut brachte. Warum? Weil Pinker sagte, viele Frauen haben einfach keine Lust auf Karriere. Sie wollen nicht, dass sich ihr ganzes Leben nur um den Beruf dreht.

„Studien haben gezeigt: Je fortgeschrittener die Emanzipation in einem Land ist, desto häufiger wählen Mädchen die klassischen Frauen-Fächer. Der Anteil weiblicher Physik-Studenten liegt in arabischen Staaten deutlich höher als in Westeuropa. Auch in Asien beweisen Frauen sich in Männer-Domänen. Bei uns dagegen machen sie, wozu sie Lust haben. Das ist eine Folge der Emanzipation, die so niemand erwartet hat!“

In diese Richtung gehen auch Schrupps Überlegungen. Mehr Frauen als Männer orientieren sich eher an der Sinnhaftigkeit einer Arbeit, als am Status oder am Geld.

„Nichts auf der Welt kann den Verlust der Freude an der Arbeit wettmachen“ zitiert Schrupp die Philosophin Simone Weil.

„Dass so wenig über den Zusammenhang von Freude und Arbeit nachgedacht wird, also darüber, wie die Menschen, die eine Erwerbsarbeit haben, ihrer Arbeit mit Freude nachgehen können, und wie die, die keine haben, dennoch etwas zu tun finden, das ihnen Freude bereitet, ist eines der sozialen Hauptprobleme unserer Zeit.“

Ich hoffe, ich habe Euch mit meinen Notizen 1. Teil , 2. Teil , 3. Teil zu Schrupps Buch jetzt Lust gemacht, es selbst zu lesen:

Antje Schrupp: „Was wäre wenn“, Ulrike Helmer Verlag, 180 Seiten, 16,90 Euro

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