„Der einzige Mann auf dem Kontinent“ von Terézia Mora

Darius Kopp geht es gut, sehr gut. Er ist der einzige Vertreter einer amerikanischen Firma für drahtlose Netzwerke in Mitteleuropa und lässt es sich in jeder Hinsicht gut gehen. Er ist ein netter Kerl. Vielleicht etwas übergewichtig, aber seine Frau stört das nicht. Öffentliche Verkehrsmittel hasst er wie nichts auf der Welt, außer vielleicht seine Vergangenheit, die ihn in Form von Mutter und Schwester noch immer behelligt.

Wie sich dieses Leben innerhalb einer Woche als Fassade entpuppt, hinter der das Chaos lauert, schildert Terezia Mora in ihrem Roman „Der einzige Mann auf dem Kontinent“. Darius Kopps Büro – eine mit Kartons voll gestellte Abstellkammer – steht sinnbildlich für alle verdrängten und verlegten Tatsachen seines Lebens.

Die Leichtigkeit des Romans, mit dem es Mora auf die Longlist des Deutsches Buchpreises 2009 geschafft hat, weicht im Laufe der Geschichte einer zunehmenden Beklemmung. Darius verliert den Überblick. Eine im Büro abgegebene Kiste mit 40.000 Euro setzt eine Dynamik in Gang, an deren Ende er fast alle seiner Gewissheiten verliert.

Moras Protagonist weckt trotz seiner Schwächen und seinem ausgeprägten Hang fürs Gute und Teure keine Schadenfreude beim Leser. Er wirkt wie ein tapsiger Hund – lieb, aber etwas simpel – und so hoffen wir am Ende mit ihm, dass wenigstens seine Frau zu ihm zurück kehrt.

Terézia Mora: Der einzige Mann auf dem Kontinent, Verlag Luchterhand, 384 Seiten, ISBN: 978-3-630-87271-, 21,95 Euro

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