„Macht und Anerkennung“ – Honneth-Interview in der FR

Heute ist in der Frankfurter Rundschau ein sehr interessantes Interview mit dem Philosophen Axel Honneth erschienen: „Liebe, Respekt, Stolz und Ehre“.

Honneth erzählt, dass die Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung ihn auf das Thema Anerkennung gebracht haben. Sie zeigten, dass die Arbeiterbewegung nicht nur um materielle Interessen, sondern um ihre kollektive Selbstachtung gekämpft habe.

„Wer die Erfahrung von Missachtung macht, wer erlebt, wie systematisch über ihn hinweggeblickt wird, der fordert, dass damit Schluss ist. Er fordert Anerkennung, Respekt, Wahrnehmung.“ (Interview mit Axel Honneth in der Frankfurter Rundschau vom 11.1.2010: „Ohne Liebe fehlt uns eine Dimension“)

Heute könnten die Angestellten und Arbeiter viel lernen aus der Geschichte der Arbeiterbewegung. Zum Beispiel, dass Solidarisierung das einzige Mittel ist gegen Personalabbau, Gehaltskürzung und globales-gegeneinander-ausspielen. Doch ist mit Gewerkschaften, die noch immer das Bild des männlichen Vollzeitarbeitnehmers vor Augen haben, kein anderer Staat zu machen.

Mir ist bei der Lektüre des Interviews ein Buch eingefallen, das mich während des Studiums nachhaltig beeinflusst hat. Jessica Benjamins „Die Fesseln der Liebe“ behandelt das Thema „Anerkennung“ aus psychoanalytischer und feministischer Sicht. Ich erinnere mich an das Argument Benjamins, die Abwertung der Mutter durch den Sohn sei durch die herrschende Struktur der Familie geradezu unausweichlich. Entwicklung von Identität sei dem männlichen Kind nur möglich durch frühe Loslösung von der Mutter. Abwertungsstrategien gegenüber dem Weiblichen und spätere Bindungsangst seien die Folge.

Vielleicht schaffe ich es in diesem Jahr, mich mit beiden Sichtweisen zum Thema Anerkennung intensiver zu beschäftigen:

Axel Honneth: Kampf um Anerkennung: Zur moralischen Grammatik sozialer Konflikte
Verlag: Suhrkamp; 301 Seiten, 13 Euro, ISBN-10: 351828729X, ISBN-13: 978-3518287293

Jessica Benjamin: „Die Fesseln der Liebe.“ Psychoanalyse, Feminismus und das Problem der Macht, 275 Seiten, 28 Euro, Verlag: Stroemfeld, Basel 1990, dann Frankfurt/M. 1994, Frankfurt/M. 2004 (3. Aufl.), ISBN 3-86109-168-2.

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