Warum Anita Brookner und Marlen Haushofer lesen?

Soeben habe ich die (wiederholte) Lektüre von „Kurzes Leben“ von Anita Brookner beendet. Ich habe all ihre Bücher mehrmals gelesen. Worin liegt die Faszination ihrer Geschichten? Ihre Protagonistinnen erleben keine großen Abenteuer, sie sind bescheiden und fügen sich in ihre gesellschaftliche Rolle. Oft sind sie gefangen in Beziehungen zu anderen Frauen, die sich mehr trauen, die egozentrischer, selbstgewisser sind.

Es ist eine kleine Welt, in der Brookners Frauen leben, der Radius ihres Lebens umfasst häufig nicht mehr als ein Stadtteil in London und eine Handvoll Bekannte. Alles spielt sich im Kopf ab. Und darin erinnern ihre Heldinnen an die von Marlen Haushofer. Statt London ist es bei ihr Wien, doch in beiden Fällen lesen wir die Gedanken von Frauen, während sie ihren bürgerlichen Alltag leben. Etwas einfacher, kleinbürgerlicher leben die Frauen bei Haushofer. Sie hängen ihren Gedanken nach, während sie das „Bücherkasterl“ säubern oder Strudel backen.

Was es bei beiden nicht gibt, ist Auflehnung und Larmoyanz. Das passt nicht zu ihrer Vorstellung von weiblicher Würde. Dies hindert sie aber nicht, schonungslos ehrlich zu sein. Und diese Ehrlichkeit macht die Romane und Erzählungen der beiden Autorinnen zeitlos. Haushofers Auseinandersetzung mit der Einsamkeit, zum Meisterwerk erhoben in „Die Wand“ und Brookners Offenheit beim Thema Älterwerden überdauern den Zeitgeist.

Leider beide nur noch gebraucht erhältlich:
Anita Brookner: Kurzes Leben
Marlen Haushofer: Die Wand (Nachtrag vom 9.9.11: jetzt neu aufgelegt)

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