Zu wenig Leidenschaft im Wahlkampf?

Jan Fleischhauer bestätigt in seinem aktuellen Spiegel-Kommentar (37/09) den Vorwurf seines Kollegen Gabor Steingart („Die Machtfrage“), es mangele an Leidenschaft der Kanzlerkandidaten, wobei sich Fleischhauer vor allem Frau Merkel widmet.

Aber Frau Merkel ist nun mal nicht leidenschaftlich, sie ist solide. Herr Steinmeier ist auch der eher unaufgeregte Typ, dennoch sieht man ihn jetzt häufig in Schröder-Manier auf Wahlveranstaltungen schreien. Ich schalte dann das TV ab, ich bin nicht empfänglich für dieses archaische Männer-Geschrei, deshalb mag ich auch keine Fußballstadien.

Ich wüsste gerne, was die Presse schriebe, wenn Frau Merkel schreien würde. Wahrscheinlich: die Kanzlerin wird hysterisch. Frau Merkel tut gut daran, den Eindruck zu vermitteln, sie sei durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Was passiert, wenn eine Politikerin leidenschaftlich für eine Sache eintritt, konnte man in der Plasberg-Sendung „Hart aber fair“ am 2.9. beobachten.

Renate Künast war die einzige Frau in der Riege. Ihr wurde prompt zweimal zugerufen – einmal von Roland Koch, einmal vom Moderator Frank Plasberg -, sie solle sich doch nicht so empören. Was Künast nicht getan hatte, aber es ist ein beliebtes Männerspiel Frauen in Diskussionen mangelnde Sachlichkeit vorzuwerfen.

„Leidenschaft und Augenmaß“ müsse den Politiker auszeichnen, schrieb Max Weber 1919 in seinem berühmten Büchlein „Politik als Beruf“. Das gilt noch immer. Max Weber meinte damit aber nicht, dass der Politiker verpflichtet ist, den Wählern einen besonders unterhaltsamen Wahlkampf zu liefern, sondern dass er Leidenschaft für seine politische Idee empfindet.

Demnächst an dieser Stelle wird das Buch „Träume sind mir nicht genug“ von Renate Künast besprochen.

Max Weber, „Politik als Beruf“, Verlag: Reclam, ISBN-10: 315008833X, ISBN-13: 978-3150088333

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