„Feminismus ist nicht Glück, sondern Erkenntnis“

„Frei und unglücklich“ betitelt die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 9.8.09 einen Artikel von Christine Brinck. Es geht um eine amerikanische Studie, derzufolge in den letzten 35 Jahren das Glücklichsein der Frauen kontinuierlich abgenommen hat. Und wer ist schuld? Natürlich der Feminismus und die außerhäusliche Arbeit, glaubt die Autorin. Vielleicht liegt das verminderte Glücksempfinden amerikanischer Frauen aber auch daran, dass die Ärzte weniger Prozac verschreiben, das Lieblings-Anti-Depressivum der Amerikaner.

„Feminismus ist nicht Glück sondern Erkenntnis“, schrieb Christa Thürmer-Rohr schon 1994 in ihrem Essay „Befreiung im Singular“. „Kein Schatz, kein Gold lockt, sondern das Interesse am Leben, an den Möglichkeiten der Menschen, den Möglichkeiten der Frauen mit ihrem unsäglichen Erbe. (…) Glück ist nichts als das subjektive Vermögen, dem Leben in seiner Dramatik und Unzulänglichkeit etwas abgewinnen zu können.“

Die Möglichkeit weiblichen Glücks beschäftigt auch Iris Radisch in „Schule der Frauen“. Für die Literaturredakteurin und Mutter dreier Kinder steht außer Frage, dass Kinder glücklich machen, obwohl die gesellschaftlichen Bedingungen für Familien schlecht sind.

„Wir sind die erste Frauengeneration, die auf Autopilot umgeschaltet hat“ und „Das Vereinbarkeitsideal hat keine Zukunft, weil es in Wahrheit gar nichts zu vereinbaren, sondern immer nur etwas zu addieren gibt.“ Auch in Familien, in denen ein Vater vorhanden ist, ist es meist die Frau, die Verantwortung für das Funktionieren des Familienalltags übernimmt.

Frauen, sucht euch die Männer, die vielleicht einmal die Väter eurer Kinder werden, genau aus. Sind sie bereit, Verantwortung zu übernehmen und die Hälfte der Familienarbeit zu übernehmen?

„Als Jungbrunnen für alternde Führungskräfte und solche, die es immer werden wollten, hat noch keine von uns ihr Glück gefunden“, warnt Radisch junge Frauen vor dem Beziehungsmodell, wie es z.B. die Frauen von Joschka Fischer und Franz Müntefering leben.

„Es muss für uns Frauen mehr als die Wahl zwischen lauter Schrecknissen geben. Die Alternativen, vor denen wir im ersten Jahrhundert unserer Befreiung noch immer stehen, uns entweder aus der Welt der Arbeit zurückzuziehen oder uns zwischen Familie und Arbeit bis zur völligen Erschöpfung aufzureiben oder, weil wir beides fürchten, kinderlos zu bleiben, sind engstirnig und phantasielos. Und die Männer, die das von uns erwarten, sind es auch.“

Wie wahr.

Nachtrag: Wie eine Antwort auf den Artikel von Christine Brinck liest sich der Text „Männer zu Vätern“ von Sybille Tönnies in der FAZ vom 30.8.09. Sie zitiert Astrid Lindgren, die am Ende ihres fast hundertjährigen Lebens nach der wichtigsten gesellschaftlichen Veränderung gefragt wurde. Ihre Antwort: die Tatsache, dass die Männer Väter geworden sind. Nicht nur hat sich die Frau dem Mann in den vergangenen Jahrzehnten angepasst, auch der Mann hat sich der Frau angeglichen, „zivilisiert“. Was für eine wunderbare Entwicklung, sagt Tönnies und fragt: „Wer würde heute noch einen Vater attraktiv finden, der nicht weiß, wie man ein Kind hält?“ Und solche Männer machen nicht nur ihre Frauen glücklich, sondern vor allem die Kinder.

Christa Thürmer-Rohr: Verlorene Narrenfreiheit / Essays
Verlag : Orlanda Frauenverlag
ISBN : 978-3-929823-13-4 / 16,50 EUR

Iris Radisch: Die Schule der Frauen – Wie wir die Familie neu erfinden
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2007
ISBN-10 3421042586
ISBN-13 9783421042583 / 160 Seiten, 14,95 EUR

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