„Unter Linken – wie ich aus Versehen konservativ wurde“ von Jan Fleischhauer

Bin ich noch links oder schon konservativ? Werden wir im Laufe des Lebens nicht alle ein wenig konservativ, sozusagen altersweise, schon weil es so anstrengend ist, den Elan zur dauernden Empörungsbereitschaft aufzubringen? Sind Umgangsformen nicht eine feine Sache im menschlichen Zusammenleben und das Fehlen derselben, diese links-grüne Attitüde, nicht einfach nur stillos?

Wer Jan Fleischhauers „Unter Linken – wie ich aus Versehen konservativ wurde“ gelesen hat, wird sich vielleicht diese Fragen stellen. Amüsant und kenntnisreich berichtet der Autor von seiner linken Sozialisation in Elternhaus, Schule, Universität und später im beruflichen Umfeld: Jan Fleischhauer arbeitet seit 20 Jahren für den „Spiegel“.

Selbstverständlich bin ich mit aller gebotenen Kritikfähigkeit an die Lektüre gegangen – um mich nach 340 Seiten aufs vergnüglichste geschlagen zu geben. Die linken Irrtümer in der Bildungs- und der Integrationspolitik, die überbordende Version des Sozialstaats, das idealisierte Verhältnis zu den Palästinensern, Fleischhauer legt den Finger auf die Wunden. Und man möchte einstimmen in sein Lob des Kleinbürgers, der für alles die Zeche zahlen muss und dafür nur Verachtung erfährt.

Es wäre schön, in zehn Jahren das Buch „Unter Konservativen – warum ich des Lebens unter grauen Herren überdrüssig wurde“ von Jan Fleischhauer zu lesen. Ich vermute allerdings, es wird weniger amüsant sein.

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